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Jürgen Albrecht Instrument Nr.1

Das »Instrument« ist ein langer, aus leichtem Karton gebauter Kubus mit lichtdurchlässigen Öffnungen. Dieses Instrument wird durch verschiedene Außenräume bewegt, die unterschiedlichen Lichtsituationen unterworfen sind, bedingt durch Wetter und Tageszeiten. Die ständigen Veränderungen im Innenraum werden durch eine am Anfang des Kubus fest montierte
Videokamera dokumentiert:

»Durch den Gebrauch des Instruments fließen die Lichtfarben der Umgebung unangetastet durch den im Kubus befindlichen Raum und erzeugen ein Bild aus Licht, Raum und Zeit, welches durch die Videokamera aufgezeichnet wird.«

Die Raumvorstellungen sind weder kalkuliert noch berechenbar. Während das Instrument (und die darin befindliche Kamera) vom Künstler durch die Landschaft getragen und gedreht wird, gelangen die verschiedenen Farbtöne und Helligkeitsstufen des Lichts unmanipuliert in den Innenraum des »Instruments«. Allein durch die Licht- und Schattenverhältnisse entstehen visuell erfahrbare, vom Gesetz der Gravität unabhängige Architekturen: Die Drehungen und Umkehrungen des Raumes und damit die im ständigen Ungleichgewicht stehenden statischen Verhältnisse sind in der Videoprojektion unsichtbar, aber vorhanden. Der Blick des Betrachters wird vom Inneren der Lichtskulptur auf die Projektion desselben verlagert.

Dem von der Kamera aufgezeichnetem Bild sind keine Anhaltspunkte zur Relativierung des Maßstabes zu entnehmen. Der Betrachter muß sich von seinem gegenwärtigen Maßstab lösen, um einen imaginären Raum in einer imaginären Zeit zu erfahren. Der Raum verläßt seinen festen Standort und bewegt sich frei in Raum und Zeit.

© Jürgen Albrecht